A card, lying on a wooden background, which says: Change your perspective.

PERSPEKTIV-WECHSEL.

Ich habe kürzlich einen blinden Fleck bei mir entdeckt. Und der Weg der Erkenntnis war mit Widerständen und innerem Ringen verbunden. Perspektiv-Wechsel fallen manchmal schwer. Denn in der Regel betrachten wir uns selbst als empathisch, authentisch und reflektiert. Aber sind wir das? Immer? Nein, nicht wirklich.

Ich wurde vor einigen Wochen im Kontext meines Wirkens unerwartet scharf angegangen. Das hat mich getroffen. Weil es wie aus dem Nichts von einer Person kam, die mir sehr wichtig war. Dabei bin ich prompt in ein altes Anpassungs-Muster zurückgefallen und war kurzzeitig manövrierunfähig. Wie konnte mir das passieren? Nun, da es sich um einen engen Freund handelte, wähnte ich mich in Sicherheit. Denn unter Freunden greift man sich nicht an. Doof nur, dass ich den Knopf meines Autopiloten in dem Moment nicht fand. Es brauchte etwas Zeit und Abstand, um die Situation für mich zu sortieren. Zunächst bin ich durch verschiedene Emotionen gegangen: von der Ohnmacht zur Traurigkeit und dann in Richtung Wut. Letzteres hat mich wieder rausgehebelt. Die Wut war ein Segen!

Was ich jetzt bei meiner Rückblende bemerke, ist, dass ich die roten Flaggen, die schon länger am Wegesrand flatterten, völlig übersehen habe. Denn leise, subtile Angriffe fanden schon vorher statt. Und mir wird schlagartig klar, dass ich meinem Freund eine Projektionsfläche geboten habe und ihm irgendwann unbewusst die Erlaubnis erteilte, mich abzuwerten. Meine Tür stand einen Spalt offen, dann wurde der Spalt größer – weil ich keine Grenzen gesetzt habe. 

Um solche Verstrickungen lösen zu können, braucht es den Zugang zu Verstand UND Emotionen. Denn wir neigen dazu, unangenehme Gefühle zu unterdrücken, um weiter zu funktionieren. Unser Körper ist damit der Leidtragende, weil Stress im Körper bleibt – und uns auf Dauer aus dem Gleichgewicht bringt. Deshalb ist es wichtig, Gefühle im Körper zu spüren und anzunehmen. Das ist emotionale Selbstregulation.

Mein Blick in den Rückspiegel war goldwert. Am Ende war es diese einfache Frage, die mich zur Erkenntnis führte: “Was will ich nicht sehen?” Manchmal lohnt sich eben der Blick auf die eigenen blinden Flecken.

Wir glauben, wir sehen klar.
Und übersehen dabei uns selbst.

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