Kinderkarrussell mit Feuerwehrauto und Rennwagen

IM KREIS FAHREN.

Auf der Suche nach einem bestimmten Foto in meiner Mediathek bin ich kürzlich über dieses Bild gestolpert – ein Kinderkarussell auf dem Hamburger Dom. Keine Ahnung, was mich vor zwei Jahren dazu getrieben hat, dieses Motiv festzuhalten. Aber genau heute packt es mich. Denn es drückt aus, welche verschiedenen Modi mein System abruft: Feuer löschen, Gas geben, Sicherheit. Und ich frage mich, wer in meiner Schaltzentrale den Modus bestimmt? Ist das ein bewusster Prozess? Und wo bleibt dabei der Spaß, der sich als Schriftzug dezent im Hintergrund des Bildes versteckt?

Unser Gehirn ist auf Vorhersagbarkeit und Energieeffizienz getrimmt. Mit dem Ziel, Energie zu sparen und Gefahren zu erkennen bzw. zu vermeiden. Denn Unbekanntes kann vom Gehirn mit Gefahr gleichgesetzt werden. Genau darum helfen Routinen (mein Yoga am Morgen!) und vertraute Situationen. Sie geben mir Sicherheit, und ich verbrauche entsprechend weniger Energie. Alles verständlich für mich. Aber was, wenn mir das gerade zu eintönig ist? Denn es scheint ja so, als säße mein Unbewusstes im Driver’s Seat: Die Bahn ist frei, der Tempomat ist auf gemütliche 120 km/h eingestellt und an jedem zweiten Rastplatz gibt’s Butterbrot und Nickerchen. Kann man so machen. Klingt bequem. Aber will ich das? Auf keinen Fall.

Vielleicht liegt es am Alter, weil ich meine Endlichkeit mehr spüre und ich noch nicht genug gelebt habe nach meinem Empfinden. Mir sind zehn Jahre abhandengekommen. Zehn Jahre, in denen ich in einer unglücklichen Partnerschaft verweilt bin. Ich brauche keinen Bungee-Sprung und muss nicht den Kilimandscharo bezwingen. Was ich brauche, sind wahrhaftige Begegnungen mit Menschen, die Tiefe haben und neugierig sind – auf das Leben. Menschen, die nicht immer eine Antwort haben auf alles, aber Austausch und Reflexion auf Augenhöhe lieben – so wie ich. Ich denke, da hilft nur eins: raus aus dem Kreisverkehr und aktiv die Alltagstristess verlassen. Deshalb will ich diesen Sommer öfter aus Hamburg raus. Und an Orte reisen, die ich noch nicht kenne.

Und genau hier spüre ich sie – die Energie und das Dopamin. 
Und ich weiß instinktiv: Das ist das, was mich leitet.

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