
“Hellooo darling. How are you? When are u coming to Tel Aviv? Everything is open and back to normal.” Diese Nachricht bekomme ich von meiner Cousine Shirel aus Israel – 24h nach der Waffenruhe.
Nachdem mein Flug nach Tel Aviv annulliert wird, leide ich 12 Tage lang mit meinen Freunden und meinen Verwandten in Israel mit. Ich klebe an meinem Handy, bekomme via Red Alert-App den Raketenalarm nahtlos mit und versuche mit meinen Lieben in Verbindung zu bleiben. Am 13. Juni, der Abend, an dem der Iran die ersten ballistischen Raketen nach Israel abfeuert, bin ich zum Glück nicht allein. Sondern bei Freunden zum Shabbat Dinner. Das gibt mir etwas Halt.
Fast zwei Wochen lang taumel ich durch meinen Alltag. Mein gepackter Koffer liegt nach wie vor in meinem Wohnzimmer – ich befinde mich scheinbar immer noch in einer Art „Verleugnungsphase“. Gaaaanz langsam begreife ich, was für ein Glück ich hatte. Denn Angriffe dieser Größenordnung bringen selbst die hartgesottenen Israelis aus dem Takt und in die Erschöpfung. Wer auch immer im Himmel seine Finger mit im Spiel hatte und mich vor dieser Erfahrung bewahrt hat: Danke. Danke. Danke!
Und dann, nach der Waffenruhe, ist da plötzlich dieses seltsame Vakuum – und die Fragen: Wie befülle ich die kommenden Wochen hier in Hamburg? Und will ich dieses Jahr eigentlich noch mal nach Israel reisen? Ich habe kein Gefühl für nix. Es braucht noch eine weitere Woche, bis meine Sehnsucht wieder spürbar ist.
Manchmal müssen wir das Leben loslassen, das wir geplant haben, um Frieden in uns selbst zu finden. Damit wir das Leben leben können, das für uns bereit steht.
Heute habe ich meinen Flug nach Tel Aviv gebucht. Anfang September geht’s los. Meine Cousine Shirel schreibt: “Yay!!!!! I’m so super excited.”
