KRAFTORT ISRAEL

Es gibt Orte, die unsere Seele nähren. Für den einen ist es die Hängematte in Omas Garten, die positive Erinnerungen wachrüttelt und tiefe Geborgenheit vermittelt. Für den anderen ist es die steife Brise, die ins Segel knallt und ein schnelles Manöver erfordert. Der Kraftort einer meiner Klientinnen ist ein Park in Tokyo. Meiner, das weiß ich jetzt, ist Israel, insbesondere der Strand von Tel Aviv, wenn die Sonne untergeht. 

Es waren 14 Tage, die es in sich hatten. In a Nutshell: Mein Flug wird 24h vor dem Abflug annulliert und so doof umgebucht, dass ich 9 Stunden später und damit erst nach Mitternacht in Tel Aviv lande; mein Gepäck geht beim Umstieg in München verloren; der Taxifahrer, der mich vom Flughafen TLV zu meinem Airbnb fährt, haut mich übers Ohr; an meinem Geburtstag sitze ich morgens auf dem Ölberg in Jerusalem – mit einem magischen Blick auf den Felsendom; auf dem Weg nach Bethlehem stehe ich als einzige Frau in einem Bus voller Palästinenser, die Richtung Westbank fahren und mich anglotzen wie ein Affe im Zoo; an der Absperrung zum Westjordanland lege ich mich mit einem palästinensischen Taxifahrer an, weil er Mafia-Preise aufruft, um mich ins 2 km entfernte Bethlehem zu fahren; ich lasse mir ein hebräisches Tattoo auf den Unterarm stechen, damit ich immer wieder daran erinnert werde, was mir wichtig ist; kurz vor meiner Abreise treffe ich die deutsch-jüdische Journalistin und Buchautorin Sarah Levy, die 2019 Hamburg den Rücken kehrt, um nach Israel auszuwandern. In ihrem soeben erschienenen Buch schreibt sie über ihre Beweggründe und über ihre Sehnsucht zu Tel Aviv (unbedingt lesen!). Und schließlich verknalle ich mich „Herz über Kopf“ in einen wahnsinnig attraktiven, 8 Jahre jüngeren Israeli und habe eine Woche lang Schmetterlingen im Bauch ;-).

Fazit: Bei allen Unannehmlichkeiten, die ein so herausfordernder Ferienstart mit sich bringt, werde ich doppelt und dreifach mit schönen Begegnungen beschenkt. Nicht zuletzt auch durch meine ultracoole 60 Jahre junge Vermieterin – Ballettlehrerin, Künstlerin, Regisseurin – mit der ich mir zwei Wochen lang eine Wohnung teile. 

Ich fühle mich auf meiner Reise zu keinem Zeitpunkt einsam, obwohl ich jeden Tag allein unterwegs bin und die Sprache nicht verstehe. Stattdessen fühle ich mich frei, gehalten und tief mit mir und meinen Wurzeln verbunden.

L’Chaim – Auf das Leben!



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